Von J. Lange.

Der Text als pdf-Datei: 20260204b_Sexualpaedagogisches_Konzept

Das vorliegende sexualpädagogische Konzept, wie es unter anderem im evangelischen Familienzentrum Schmachtendorf zur Anwendung kommt, gibt aus Sicht der AfD Oberhausen Anlaß zu erheblicher Kritik und Besorgnis.

Bereits in den grundlegenden Leitgedanken wird deutlich, daß dem Konzept ein sehr weit gefaßtes Verständnis von Sexualität zugrunde liegt, das bewußt bis in den frühkindlichen Bereich hinein ausgedehnt wird.

Kinder werden darin nicht nur als neugierige und lernende Wesen beschrieben, sondern ausdrücklich als „sexuelle Wesen“, deren körperliche Erfahrungen mit Lust, Sinnlichkeit und Identitätsentwicklung verknüpft werden.

Diese Sichtweise überschreitet aus unserer Sicht eine klare pädagogische Grenze. Kindliche Entwicklung braucht Schutzräume, emotionale Stabilität und altersgerechte Förderung – nicht theoretisch aufgeladene Deutungen, die Erwachsene über Kinder stülpen.

Besonders kritisch bewerten wir, daß bereits im Kindergartenalter von „sexueller Identität“ und „sexueller Orientierung“ gesprochen wird. Diese Begriffe entstammen gesellschaftspolitischen Debatten Erwachsener und gehören nicht in die frühkindliche Bildung.

Kinder in diesem Alter sind weder kognitiv noch emotional in der Lage, solche Konzepte einzuordnen. Hier wird nicht lediglich begleitet, sondern gezielt geprägt – und zwar in eine bestimmte weltanschauliche Richtung.

Problematisch ist zudem die Vorstellung, Sexualität müsse aktiv „erlernt“ werden und Kinder benötigten dafür gezielt geschaffene „Erfahrungsräume“.

Diese Herangehensweise kehrt das pädagogische Schutzprinzip um. Nicht alles, was theoretisch zur Entwicklung gehört, muß pädagogisch organisiert, begleitet oder gar gefördert werden. Gerade im sensiblen Bereich von Intimität und Körperlichkeit ist Zurückhaltung eine pädagogische Tugend – keine Schwäche.

Auch die Einbindung externer Akteure wie „pro familia“ ist aus Sicht der AfD Oberhausen kritisch zu hinterfragen. Organisationen mit klar erkennbarer weltanschaulicher Ausrichtung nehmen hier maßgeblichen Einfluß auf die Konzeption und Umsetzung pädagogischer Inhalte in städtischen Einrichtungen.

Eltern werden dadurch faktisch vor vollendete Tatsachen gestellt, obwohl ihnen das natürliche Erziehungsrecht für ihre Kinder zusteht.

Zwar werden im Konzept Regeln und Grenzen benannt, etwa im Zusammenhang mit Rollenspielen oder dem Schutz der Intimsphäre. Diese können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Gesamtansatz auf eine Normalisierung frühkindlicher Sexualthemen abzielt, die von vielen Eltern ausdrücklich abgelehnt wird.

Die wiederholte Betonung von „positiven Körpererfahrungen“, „Doktorspielen“ und gezielter sprachlicher Begleitung macht deutlich, daß es nicht um pädagogische Zurückhaltung, sondern um aktive inhaltliche Steuerung geht.

Die AfD Oberhausen fordert daher eine grundlegende Neubewertung solcher sexualpädagogischen Konzepte. Frühkindliche Bildung muß ideologiefrei, zurückhaltend und am tatsächlichen Entwicklungsstand der Kinder orientiert sein.

Sexualerziehung gehört in die Verantwortung der Eltern und – wenn überhaupt – in einen deutlich späteren Lebensabschnitt. Kindergärten und Familienzentren sind Schutzräume für Kinder und dürfen keine Experimentierfelder für gesellschaftspolitische Leitbilder sein.

Wir stehen für eine Pädagogik, die Kinder schützt, Eltern respektiert und sich auf Bildung, Wertevermittlung und soziale Entwicklung konzentriert – ohne politische oder weltanschauliche Überformung.



Anlage:

Aus dem sexualpädagogischen Konzept des Familienzentrums Schmachtendorf

Kleine Kinder fühlen zunächst körperlich und machen so ihre ersten Welterfahrungen. Sie nehmen Gegenstände in den Mund zum Erforschen und zur Befriedigung von Lust. Voller Neugier und Tatendrang begreifen sie die Welt und sich selbst.

Kinder im Vorschulalter erleben sowohl das Schmusen, Kuscheln und Matschen als lustvoll und sinnlich. Sie interessieren sich für ihren Körper und den der anderen und gemeinsam erkunden sie spielerisch die Geschlechtsunterschiede.

Sexualität wird erlernt und unterliegt lebenslang einer Weiterentwicklung und Veränderung. Hierfür ist es wichtig, Kindern und Jugendlichen Erfahrungsräume zur Verfügung zu stellen. Sie brauchen eine altersangemessene, sexualsprachfähige Begleitung durch Erwachsene.

Im Bereich der Sexualität findet auch die Identitätsentwicklung statt. Dabei können Antworten auf Fragen der sexuellen Identität und sexuellen Orientierung gefunden werden.

Um dieses zu ermöglichen, haben Kinder und Jugendliche ein Recht auf altersangemessene Begleitung, Aufklärung und Wissensvermittlung, sowie das Recht auf selbstbestimmte Sexualität. Ein grenzwahrender Umgang miteinander und die Wahrung der Rechte des Anderen sind hier die Voraussetzung.

Um die Begleitung der Kinder und Jugendlichen sicherstellen zu können, haben wir in den Teams eine sexualpädagogische Haltung sowie ein sexualpädagogisches Handlungskonzept erarbeitet. Dadurch werden die Teams gestärkt und die sexualpädagogische Haltung der Einrichtungen wird transparent.

Der Körper ist mein Haus, in dem ich mein ganzes Leben verbringen werde… „‚

Der liebevolle und verantwortungsbewußte Umgang mit der körperlichen Neugier von Kindern im Kindergartenalter ist ein Baustein der kindlichen Entwicklung und findet auch in unserer Arbeit seinen Platz.

Folgende Themen finden dabei Berücksichtigung:

  • Kindliche Neugier und Erkundungsverhalten
  • Aufbau vertrauensvoller und verläßlicher Bindung
  • Vermittlung einer angemessenen Sprache
  • Weitergabe von Werten und sozialen Normen
  • Akzeptanz von Grenzen und Intimität

Für die Auseinandersetzung mit dem Umgang mit kindlicher Sexualität und für die Erarbeitung einer gemeinsamen Haltung nimmt das Team an Fortbildungen teil. Durch das entwickelte sexualpädagogische Handlungskonzept erfährt das gesamte Team eine Stärkung nach innen und außen.

Wir stärken Kinder bei der Entwicklung ihrer geschlechtlichen Identität z.B. durch die Förderung ihrer Sinne. Durch vielfältige Angebote, wie kneten, matschen, Massagegeschichten, Fühlspiele, Igelbälle, oder Spiegel ermöglichen wir den Kindern eine ganzheitliche Sinneswahrnehmung und -erfahrung.

Wir geben den Kindern Raum für positive Körpererfahrungen und vielseitige Entfaltungsmöglichkeiten.

Wir gehen auf Fragen der Kinder ein, nutzen Gesprächsanlässe und vermitteln dem Alter entsprechendes Wissen.

Wir geben den Kindern die Gelegenheit zu Rollenspielen. Dabei ist uns wichtig, daß gemeinsam aufgestellte Regeln eingehalten werden.

  1. Jedes Kind bestimmt, mit wem es Rollenspiele (Doktorspiele) machen will
  2. Kinder streicheln und untersuchen einander nur so viel, wie es für sie selber und die anderen Kinder angenehm ist.
  3. Kein Kind tut einem anderen Kind weh.
  4. Keiner steckt einem anderen Kind etwas in eine Körperöffnung.
  5. Größere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene dürfen bei den Rollenspielen nicht mitspielen.
  6. Mindestens die Unterwäsche bleibt an.

In unserer Arbeit nimmt das Thema „Gefühle“ einen großen Raum ein. Ein Teil des Teams hat an der Fortbildung „Papillio“ teilgenommen (Paula und die Kistenkobolde).

Um den Kindern die verschiedenen Thematiken näherzubringen nutzen wir unterschiedliche Medien, wie z.B. Bilderbücher, Geschichten, Lieder, Puppen, Materialien für Rollenspiele, Kreativmaterial, „Gefühlekoffer“, kindgerechte Kurzfilme usw.

Im Jahr 2022 hat das ganze Team an einem Konzeptionstag an der Thematik mit einer Referentin von „pro familia“ gearbeitet.

Pro familia“ ist ein fester Kooperationspartner unserer Einrichtung mit dem Anbieter finden auch jährliche Elternangebote in der Einrichtung statt.