In der Sitzung des Kulturausschusses am 15. 1. 2026 hielt die Direktorin der Ludwiggalerie einen spannenden Überblick über das Galerie-Programm des Jahres 2025. Von E. Noldus.

Der Text als pdf-Datei: 20260207b_KA_3_20260115_Ludwiggalerie

Das Ausstellungsjahr 2025 der LUDWIGGALERIE

Nach der Abarbeitung der Förderanträge folgte unter TOP 17 der Bericht von Frau Dr. Vogt, Direktorin der Ludwiggalerie im Schloß Oberhausen, über das Ausstellungsjahr 2025.

Zu Beginn flocht sie den Hinweis ein, eine Anmerkung des Ausschußmitgliedes Noldus (AfD) in der letzten Sitzung habe sie dazu veranlaßt, nicht über das Programm 2026, sondern über das Jahr 2025 zu berichten. Ein eleganter rhetorischer Schlenker, hatte sie doch das Jahresprogramm 2026 bereits in der Kulturausschuß-Sitzung am 4. 9. 2025 vorgestellt.

Die Anmerkung von Frau Dr. Vogt bezog sich auf die Ausschußsitzung vom 17. 12. 2025. In jener Sitzung hatte Herr Noldus (AfD) eine Verständnisfrage zur „Zustimmung zur Leistung von überplanmäßigen Aufwendungen/Auszahlungen im Produktbereich 04 – Kultur und Wissenschaft für das Haushaltsjahr 2025 (B/18/0232)“, bei der es um die Lindenberg-Ausstellung ging.

In den Zeilen 18 bis 20 auf Seite 2 hieß es, der überplanmäßige Bedarf werde vollständig gedeckt aus Mehreinnahmen bei Eintrittsentgelten. Ob man nachträglich Angaben bekommen könnte, wie hoch die im Sachkonto 446100 zugeflossenen Entgelte seien.

Der Stadtkämmerer wies darauf hin, daß diese Entgelte erst im Jahresabschluß zum Haushalt 2025 der Stadt Oberhausen zu finden sein werden. Man könne gerne nach Beendigung der Ausstellung die Ludwig-Galerie berichten lassen.

Soweit zur Vorgeschichte des eleganten rhetorischen Schlenkers. Die Charakteristika der Vorträge der Galerie-Direktorin haben wir bereits im zweiten Teil beschrieben. Wir versuchen hier die Wiedergabe einiger wesentlicher Inhalte in der beigefügten Anlage.



Anlage :

Vortrag von Frau Dr. Vogt in der Sitzung des Kulturausschusses am 15. 1. 2026 zu TOP 17 „Ausstellungsjahr 2025 in der LUDWIGGALERIE Schloß Oberhausen – Walter Moers, Loriot und Udo Lindenberg: Panischer Ausnahmezustand mit mehr Lametta.“

2025 sei ein Ausnahmejahr für die Ludwiggalerie gewesen, das mit der 2024 begonnen Ausstellung zu Walter Moers eingesetzt habe. Man habe u. a. Käpt‘n Blaubär, das kleine Arschloch, Adolf die Nazisau und „das große Reich Zamonien“ gezeigt. Letzteres, Moers‘ große Neuschöpfung, habe man wegen des Gesamtumfanges in verschiedenen Abteilungen gezeigt, auch Sonderzeichnungen wie die vom Bücherdrachen. Moers‘ neuester Roman „Qwert“ sei ein eigener Vortrag [in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses] wert.

Erstmals habe die Ludwiggalerie ein Symposium mit Wissenschaftlern aus ganz Deutschland durchgeführt (und nicht nur, wie sonst, wissenschaftliche Kataloge erstellt). Sie selbst lege Wert darauf, gerade im Bereich der populären Kunst wissenschaftlich zu arbeiten. Das von „unserem Freundeskreis“ geförderte Symposium habe auch ein Buch hervorgebracht.

Die Moers-Ausstellung, was ganz toll sei, könne wandern und sei im Caricatura Museum für komische Kunst in Frankfurt gezeigt worden. Die Caricatura sei mit der Ludwiggalerie und dem Wilhelm-Busch-Museum in Hannover, eines der größtem Häuser, die sich mit dieser Kunstform beschäftigten. Neben Frankfurt werde die Moers-Ausstellung 2026 noch an weiteren Orten gezeigt werden.

Eine Moers-Ausstellung 2011 sei bereits sehr erfolgreich gewesen, doch die aktuelle Ausstellung habe mit 22.000 Besuchern (davon 4.000 im Jahre 2025) die frühere Ausstellung um 7.000 Besucher übertroffen.

Im Austausch gegen Walter Moers habe man von der Frankfurter Caricatura die Loriot-Ausstellung übernommen. Bei der Eröffnung der Ausstellung seien auch einige Familienangehörige von Loriot anwesend gewesen, was ein besonders Erlebnis dargestellt habe.

Man habe dessen gesamtes Lebenswerk präsentieren können. Sie habe, gestützt auf den Nachlaß von Loriot, nicht nur die Ausstellungsstücke aus Frankfurt übernommen, sondern habe auch noch etwas dazu nehmen müssen, weil die Ludwiggalerie eben größer sei. Ihr Lieblingsexponat sei das „Atomkraftwerk der Familie Hoppenstedt“; die berühmte Weihnachtsepisode.

Wenig bekannt sei, daß Loriot Opernliebhaber, auch von klassischer Musik, gewesen sei. Die von ihm selbst gestalteten Bühnenbilder seien das erste Mal überhaupt gezeigt worden. Weiterhin seien natürlich auch bekannte Dinge, „Wum und Wendelin“ etwa, gezeigt worden.

Von den bekannten Zeichentrickfilmen („Ach wo laufen sie denn“) hätten sich, was nur in Ausnahmefällen geschehe, dank Loriots Leidenschaft, die dazugehörigen Zeichnungen erhalten.

Die Ausstellung sei ein Riesenerfolg gewesen; bei einer Laufzeit von 20 Wochen seien 61.000 Besucher gezählt worden. Daß man der 60.000 Besucherin habe Blumen überreichen können, sei bis dahin noch nie vorgekommen.

Nachdem Frau Dr. Vogt einen Blick hinter die Kulissen zugelassen hatte (wie geht man mit 1.500 Besuchern auf einen Schlag in der Ludwiggalerie um; warum ist die Tür so oft kaputt), kam sie auf die dritte Ausstellung, die über Udo Lindenberg, zu sprechen.

Ausführlich berichtete Frau Dr. Vogt von der ersten Begegnung mit Lindenberg in Hamburg und den ersten Vorbereitungen für die Ausstellung mit Frank Bartsch, dem Co-Kurator und Archivar von Lindenberg, der viele Stücke zugänglich gemacht habe und ganz viel zum Erfolg der Ausstellung beigetragen habe.

Diese Ausstellung habe Lindenberg als bildenden Künstler gezeigt und damit ein Alleinstellungsmerkmal besessen. Sie habe das seltene Glück gehabt, die Exponate auswählen zu dürfen; oft seien diese vorgegeben. Aber hier sei sie in der Konzeption frei gewesen. So sei sie in der Lage gewesen, die ganze Karriere Lindenbergs, angefangen mit seiner Frühzeit als Schlagzeuger, zu erfassen. Zum Schluß, ein Erlebnis besonderer Art, sei sie mit Lindenberg persönlich durch die Ausstellung gegangen und habe ihm alles erläutert.

Dank schulde sie auch der finanziellen Unterstützung durch die Bross-Stiftung, die der Auftaktveranstaltung, bei der auch Ministerpräsident Wüst als Redner auftrat, einen würdigen Rahmen verlieh und darüber einen kleinen Film produzierte. In diesem Zusammenhang sprach sie auch über ihre Mitarbeiter, die gerade bei dieser Ausstellung oft an ihre Grenzen hätten gehen müssen.

Die Ausstellung war so erfolgreich, daß sie zweimal verlängert wurde. In dem Ausstellungskatalog habe man erstmals das Werk Lindenbergs als bildender Künstler wissenschaftlich aufgearbeitet. In 28 Wochen habe man über 61.000 Besucher gezählt und es bestünden reelle Aussichten, die Marke von 65.000 zu knacken.

Das Presseecho sei enorm gewesen und es sei der Ludwiggalerie gelungen, die Stadt Oberhausen weithin mit etwas Positivem überall bekannt zu machen, darzustellen, daß die Stadt kulturell sehr stark aufgestellt sei. Dazu habe man, auch dank der Mitarbeiter, in diesem Jahr viel beitragen können.