Zunächst bringen wir einen Gesamtüberblick und besprechen die wichtigsten Themen in eigenen Artikeln. Von E. Noldus.

Der Text als pdf-Datei: 20260502b_Kulturausschuss_2060423_gesamt

Die Berichte

Zahlreiche Berichte in mündlicher und schriftlicher Form gaben der Sitzung ihr Gepräge. Über den mündlichen Bericht des Fraunhofer-Instituts zu den Handlungsempfehlungen aus dem Projekt „Creative City“ berichten wir separat.

Die „Übersicht über in 2026 verplante Mittel der Position ‚Freie kulturelle Aktivitäten‘ (M/18/0648)“ wurde ohne Wortmeldungen zur Kenntnis genommen. Wir haben bereits in früheren Artikeln über die Probleme bei der Vergabe von Fördergeldern berichtet, da seit etwa drei Jahren der Bedarf größer ist als das Budget des Kulturausschusses. Erst nach massiver Kritik an der fehlenden Übersicht über vergebene und verplante Mittel ging das Kulturbüro dazu über, regelmäßig aussagekräftige Aufstellungen vorzulegen. Inzwischen hat sich dieses Berichtssystem zur allseitigen Zufriedenheit und als wertvolles Steuerungselement bei Vergaben etabliert.

„KunstTour Oberhausen“

Vorgezogen wurde der mündliche Bericht über das Projekt „KunstTour Oberhausen“. Frau Dr. Vogt (Ludwig-Galerie) und der Photograph Rainer Schlautmann berichteten gemeinsam.

Das Projekt „Kunst im öffentlichen Raum“ knüpft an eine ältere Dokumentation in Buchform an. Jetzt nutzt man die Möglichkeit, Photographien des in Fachkreisen einschlägig bekannten Rainer Schlautmann auf einer eigenen Internet-Seite der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Das Projekt wurde bzw. wird durch Mittel des LVR finanziert. Maßgeblich beteiligt an dem erfolgreichen Förderantrag war Kulturdezernent Tsalastras. Frau Dr. Vogt stellte in ihrer Projektvorstellung dessen Verdienst um die Förderung mehrfach heraus. Die Aufbereitung der Photos für die Internet-Präsentation erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro. Nebenher erfolgte bei Bedarf auch die Wiederherstellung oder Reinigung verschmierter oder zugewachsener Kunstwerke.

Zu jedem Photo gibt es einen kurzen Text, der von einer ehemaligen Volontärin der Ludwig-Galerie verfaßt wurde. Einen vielleicht für Deutschland einzigartigen Versuch stellte Frau Prof. Domkowsky vom Kulturbüro vor. Eine Mitarbeiterin der Bundeskunsthalle in Bonn, die sich auf Führungen für blinde Menschen spezialisiert hat, konnte zur Mitarbeit gewonnen werden. Diese Mitarbeiterin habe die Kunstwerke ästhetisch speziell für blinde und sehbehinderte Menschen beschrieben.

Ferner gibt es einen Navigationsgürtel, der sich mit der App des Projektes verbindet, so daß durch diesen Navigationsgürtel diese Menschen (auf der Grundlage einer digitalen Karte bzw. eines Objektverzeichnisses) zu den einzelnen Kunstwerken geführt werden, um diese tatsächlich auch zu erleben können.

Frau Dr. Vogt betonte, daß auswärtige Anfragen an die Ludwig-Galerie oft der Anlaß dieser Interessenten sei, sich über Oberhausen zu informieren. Sie habe daher ein großes Interesse an einer wirklich professionellen photographischen Präsentation der Kunstobjekte.

Sich abwechselnd mit Frau Dr. Vogt sprach der Photograph über seine Arbeit, die sich über ein ganzes Jahr verteilt hingezogen hatte. Herr Schlautmann betonte, meistens gehe es um temporäre Kunstwerke, von denen hinterher nichts anderes bleibe als seine Photos. Daher sei die handwerkliche Qualität der zweidimensionalen Darstellung dreidimensionaler Objekte sehr wichtig. Insgesamt seien etwa 100 Objekte von namentlich bekannten Künstlern dokumentiert; daher ließen sich auch Deutungen der künstlerischen Aussagen machen.

Die Kunstwerke der letzten Jahrzehnte im öffentlichen Raum seien sehr heterogen; er selber habe seine Aufgabe unter anderem darin gesehen, diese Heterogenität auch im Bild festzuhalten.

Der Kulturdezernent ergänzte abschließend, das Projekt habe ihm viele Jahre am Herzen gelegen, hätte aber wegen fehlender finanzieller Mittel nicht umgesetzt werden können. Das Projekt sei ein richtiger Gewinn für Oberhausen und dokumentiere etwas, was gelegentlich auch verschwinden würde. Über „Smart City“ habe man eine eigene Projekt-App bekommen können, was die Zugriffsmöglichkeiten auf die digitale Dokumentation erhöhte.

Sprachkurse für Zugewanderte

Nachdem die Bundesregierung die Mittel für Sprachkurse gekürzt hat, stellte sich in der letzten Ausschußsitzung die Frage nach den praktischen Konsequenzen. Inzwischen liegt dazu auch ein Bericht der Verwaltung vor (M/18/0692), der auch im Sozialausschuß besprochen worden war.

Sowohl Herr Sahin (SPD) als auch Frau Wolter (CDU) drückten ihr Bedauern aus. Frau Opitz (GRÜNE) schloß sich Herrn Sahin an in der Frage, ob die Stadt Oberhausen die Kürzungen aus eigener Kraft ausgleichen könne.

Aus dem kurzen Vortrag der VHS-Leiterin Frau Dr. Reisz im Sozialausschuß (21. April) hatten sich abseits des Berichtes folgende interessante Aspekte ergeben:

  • Bei der Finanzierung der Kurse durch das zuständige Bundesministerium stellt die Bezahlung der Kursleiter den größten Anteil an den Ausgaben dar.

  • Die bisherige Auslastung war so hoch, so daß zumindest für das VHS-Personal größere (strukturelle) Kürzungen des Stundenvolumens eher nicht zu erwarten sind. Bei den Trägern im Sinne des Weiterbildungsgesetzes (z. B. das Bildungswerk der Ruhrwerkstatt) sehe das möglicherweise anders aus.

Hier ergänzte Frau Dr. Reisz diese Aussage dahingehend, daß die durch die Kürzungen erfolgte Verkleinerung des Kreises berechtigter Teilnehmer besonders diejenigen Träger treffe, welche nicht durch das Weiterbildungsgesetz gefördert würden. Für das Lehrpersonal dort ergäben sich individuell große Schwierigkeiten. Allgemein sei zu befürchten, daß dann Strukturen wegbrächen, die sich nicht einfach wiederherstellen ließen. Das VHS-Personal, so ihre abschließende Bemerkung, könne vielleicht durchatmen, aber freiberufliche Honorarkräfte werde man eventuell nicht halten können.

Aus den allgemeinen Erläuterungen ging hervor, daß Frau Dr. Reisz der Überzeugung ist, daß mangelhafte Sprachkenntnisse bedeuteten, daß die Betreffenden nur Helfer-Tätigkeiten ausführen könnten und wegen der fehlenden Sprachkurse nicht mehr die Perspektive besäßen, eine auskömmliche Beschäftigung zu finden. Dabei habe man einen Fachkräftemangel und der Bund macht die Sache selbst noch schwerer. So gebe es Kurse, die speziell für erzieherische und pflegerische Berufe die notwendigen Sprachkenntnisse vermittelten. Auch da kürze man, wo es um den Erwerb wichtiger Qualifikationen gehe.

Spracherwerb auf einem höheren Niveau sei wichtig, wenn es um die Anerkennung von Berufsabschlüssen bzw. die Aufnahme einer entsprechend qualifizierten Tätigkeit gehe. Wenn Personen ihre beruflichen Qualifikationen aus den Heimatländern mangels Sprachkenntnissen nicht umsetzen könnten, kämen sie auch nie in die Lage, diese Kurse selbst bezahlen zu können. Es gebe Menschen, die sich abmeldeten, weil sie das nächste Modul von 100 Stunden nicht mehr bezahlen können. Das betreffe auch Menschen, die seit 10 Jahren hier seien und ihre Kinder hier zur Welt gebracht haben.

Kulturdezernent Tsalastras kündigte für die Zeit vor den Sommerferien eine Verwaltungsvorlage an, welche die von Herrn Sahin (SPD) aufgeworfene Frage einer Kompensation der Kürzungen durch finanzielle Anstrengungen der Stadt Oberhausen zum Gegenstand hat. Man werde dann den Ausschuß über die Möglichkeiten, wenn sie denn bestünden, informieren. Bis dahin ließen sich auch keine Aussagen über die finanziellen Größenordnungen treffen (auf eine Frage des FDP-Vertreters Hoff).

Anträge

Es lagen ein AfD-Antrag A/18/0724 auf auf Sachdarstellung: Ist-Zustand des am 16. 4. 2024 beschlossenen „Aufbaus einer auswärtigen Abo-Struktur inkl. Bustransfer“ und ein Antrag der LINKEN zur Erstellung einer zentralen Auflistung der barrierefreien Sport-, Freizeit- und Erholungseinrichtungen A/18/0726 vor.

Ferner lag eine Vorlage der Verwaltung (B/18/0658) zur Änderung der Eintrittspreisstruktur der Internationalen Sinfoniekonzerte der Stadt Oberhausen vor. Hierzu gab es einen mündlichen Änderungsantrag des AfD-Vertreters Noldus. Wir werden über diese Anträge in einer eigenen Folge berichten.

Mitteilungen der Verwaltung

Die „Mitteilungen“ brachten zunächst die Bekanntgaben personeller Wechsel in der Verwaltungsleitung der Ludwig-Galerie und in der Leitung der Stadtbibliothek. Der Kulturdezernent gab den Betreffenden die Gelegenheit, sich dem Ausschuß vorzustellen.

Herr Tzscheppan berichtete ausführlich über das Programm der jüdischen Kulturtage, wie es vom Arbeitskreis antisemitismuskritische Kultur- und Bildungsarbeit entworfen worden ist:

    • Rundgang zur jüdischen Geschichte des Stadtteils Holten in Zusammenarbeit mit Arbeit und Leben, VHS und Gedenkhalle im Rahmen der Reihe ‚Spannende Orte‘.

    • Eröffnungsveranstaltung am 19. Juni um 19 Uhr im Theater Oberhausen mit einem Konzert der Amsterdam Klezmer Band.

    • Konzertante Lesung zu Ilana Shmueli und Paul Celan („Sag, daß Jerusalem ist.“) mit Musik von Felix Mendelssohn.

    • Lesung von Arno Frank über seinen Roman „Ginsterburg“ in Kooperation mit dem Stadttheater.

    • Veranstaltung „Abrahams Zelt“ der jüdischen Gemeinde Perusch in den Gemeinderäumen zu Gesprächen und Begegnungen. Aus Sicherheitsgründen ist eine Anmeldung zwingend erforderlich.

    • Vortrag von Leonard-Schmidt-Dominé im „Leerstand“ von KiTeV über Judaismen in der deutschen Sprache.

    • Besichtigung der Synagoge der jüdischen Gemeinde Duisburg-Mühlheim-Oberhausen mit Vorträgen über die Tradition und die Kultur sowie die Besonderheiten der Religion (an zwei Terminen: 25. Juni und 1. Juli).

    • Konzert der „Jewish Monkeys“ mit „Klezmer-Punk“ aus Tel Aviv (bzw. ursprünglich zum Teil aus Frankfurt).

    • Öffentlicher Schabbat der jüdischen Gemeinde Perusch gemeinsam mit dem Rabbiner Stefan Tiwy.

    • Weitere Veranstaltungen im bzw. mit dem Bertha-von-Suttner-Gymnasium (Anmeldung erforderlich).

Rückfragen sind an das Demokratiebüro zu richten.

Der Leiter der Musikschule, Herr Sulejmani, gab bekannt, daß man anläßlich des 60jährigen Jubiläums der Musikschule einen neunseitigen Veranstaltungskalender herausgegeben habe; das Programm sei aus diesem Anlaß besonders vielseitig. Für Ende Juni ist eine (neue?!) Internetseite zu erwarten, die ebenfalls den Veranstaltungskalender bringt.

Kulturdezernent Tsalastras gab bekannt, daß man an den Förderrichtlinien für die Mittel der Arbeit gegen Antisemitismus arbeite. Nach der Prüfung durch den Rechtsbereich werden die Förderrichtlinien zur Beschlußfassung vorgelegt. Die Mittel in Höhe von zur Zeit 30.000 € werden jährlich im Haushalt festgeschrieben.