Nachdem wir bereits die Erläuterungen des Kämmerers zum Haushalt 2026 nachgezeichnet haben, stellen wir in der zweiten Folge die weiteren Punkte der Tagesordnung vor. Von E. Noldus. 

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Interkulturelle Friedhofsplanung in Oberhausen

Die Einführung des Geschäftsführers Telli zum Thema enthielt einige grundsätzliche Bemerkungen. Demnach sind die Bemühungen des Integrationsrates seit jeher darauf ausgerichtet gewesen, allen Oberhausenern, die „einer anderen Religion“, einer „anderen kulturellen Ausrichtung“ angehören, die Möglichkeit der Bestattung gemäß ihrer religiösen Vorschriften zu verschaffen. Zahlenmäßig liege der Schwerpunkt bei muslimischen Gräbern; daneben gebe es (solle es geben?!) Grabfelder für Juden und orthodoxe Christen. Man versuche, die ganze Bandbreite an Religionen und Konfessionen abzudecken.

Den Vortrag über den aktuellen Stand der Friedhofsplanung selbst hielt Herr Elfering, stellvertretender Leiter der Abteilung Friedhöfe in der Stadtverwaltung. Zunächst widmete er sich kurz der seit 2021 geltenden Friedhofssatzung. Danach gab er einen Überblick über die Bestattungsarten und beschränkte sich aus Zeitgründen auf einige wesentliche Punkte; darunter die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier.

Ein weiterer Aspekt der Planung, der oft übersehen werde, sei die Biodiversität. Zuletzt sprach er die wichtigsten Gesichtspunkte der Neugestaltung des Nordfriedhofes an.

Nach dem Vortrag beantwortete Herr Elfering Fragen zu den Kosten für Wahlgräber (ca. 3.000 € einmalig für 30 Jahre), nach einem Raum für rituelle Waschungen (auf dem Westfriedhof geplant) und nach den Gesamtzahlen u. a. für muslimische Gräber.

In Zusammenhang mit muslimischen Gräbern erklärte die Vorsitzende Erdas, in den 1990er Jahren seien hier nur Kinder bestattet worden, weil die Eltern die Kinder „bei sich haben wollten“. Das habe sich vollkommen geändert, denn die „Gastarbeitergeneration“ beginne nun langsam abzusterben.

Im späteren Verlauf kam Geschäftsführer Telli noch einmal auf diesen Punkt zurück: Als man angefangen habe, muslimische Grabfelder einzurichten, sei man manchmal beschimpft worden, weil man es damals als selbstverständlich angesehen hatte, in der „vermeintlichen Heimat“ [Hr. Telli] bestattet zu werden. In den nächsten Jahren werde man aus demographischen Gründen mit einer stark steigenden Zahl muslimischer Bestattungen zu tun haben.

Herr Ejodamen (UFFO) fragte, warum man für eine Tierbestattung noch bezahlen müsse, obwohl man das Grab vorher bereits gekauft hat. Der Referent erklärte, man bezahle pauschal 140 € für den reinen Aufwand (Bestattung und Wiedererrichtung) des Ursprungszustandes.

Dr. Yüksel (Team Oberhausen) bedankte sich bei allen an den Planungen Beteiligten und stellte fest, daß die vielen Rückmeldungen aus den (muslimischen?!) Gemeinden die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit betonten. Der wachsende Bedarf und gleichzeitig die große Bereitschaft zeige, die Menschen verstünden Oberhausen als ihre Heimat und wollen sich hier auch begraben lassen.

Herr Kücük (Gerechte) stellte fest, die „türkische Community“ in Oberhausen sei gut vernetzt und wüßte genau, welche Wege sie gehen müßte. Aber wie erreiche man diejenigen, die nicht in einer „Community“ aktiv seien?

Zu dieser Frage erklärte der Geschäftsführer, es gebe einen Friedhofsratgeber in gedruckter und auch in digitaler Form. Dieser informiere über alle Dinge, die im Todesfall zu organisieren seien. Man werde sich bemühen, ihn in verschiedenen Sprachen und auf mehreren Plattformen zur Verfügung zu stellen. Es gebe fast über 100 große und kleine Organisationen, die die man nicht alle erreichen könne. Daher bitte er die Anwesenden, als Multiplikatoren ihr Wissen um die Informationsmöglichkeiten weiterzugeben.

Herr Basoglu (Gerechte) steuerte später den Hinweis bei, diese Informationen in die Integrate-App und in die Oberhausen-App einzupflegen; das wäre technisch sehr einfach; eine Anregung für den Beigeordneten Schmidt.

Geschäftsführer Telli nannte im Zusammenhang mit der Frage, wie man auch die nicht organisierten Mitbürger erreiche, einige Moscheen-Gemeinden, die engen Kontakt halten oder früher hielten. Bei allen Planungen seien Geistliche einbezogen, um später religiöse Diskussionen über die Anlage von Grabstätten zu vermeiden. Er sei der SBO äußerst dankbar, daß Kontakt und Zusammenarbeit von Anfang an sehr eng gewesen seien. Überhaupt könne er feststellen, daß die Situation in Oberhausen eine besondere sei und man hier weiter sei als in anderen Kommunen.

Herr Demirci (Team Oberhausen) hatte eine Frage zum Thema „Dauer der Grabstätte“. Herr Elfering erklärte u.a., daß auf dem Nordfriedhof das muslimische Wahlgrabfeld auf ewig verlängerbar sei. Ab etwa 2027 seien für den Westfriedhof ebenfalls muslimische Grabfelder mit verlängerbaren Wahlgräbern geplant seien; also „Ewigkeitsgräber“, die nach Ablauf der Ruhezeit erneut gekauft werden und die Ruhezeit damit verlängert wird.

Internationale Wochen gegen Rassismus

Geschäftsführer Telli erklärte einleitend, man richte seit 4 oder 5 Jahren diese „Woche“ aus. Die Veranstaltungen liefen innerhalb einer bundesweiten Aktionswoche. Man habe sich seinerzeit dafür entschieden, die Filmvorführung als Veranstaltungsformat auszuwählen. Danach stellte er die Filme der aktuellen „Woche“ vor:

  • „Extrawurst“ von Marcus H. Rosenmüller (Deutschland 2026) mit Hape Kerkeling in der Hauptrolle.

  • „Die brillante Mademoiselle Neila“ (Originaltitel: Le Brio)von Yvan Attal (Frankreich / Belgien 2017), von Sönke Wortmann 2020 in Deutschland als „Contra neu verfilmt.

  • „Der Lehrer, der uns das Meer versprach“ von Patricia Font (Spanien 2023).

Die Veranstaltung wird gemeinsam mit den Sozialverbänden und „sozialen Einrichtungen“ mit ehrenamtlichem Engagement durchgeführt. Dank einer Finanzierung durch „Drittmittel“ ist der Eintritt frei; die vorherige Anmeldung beim Integrationsrat unter integrationsrat.de oder telefonisch ist zwingend erforderlich.

Dr. Yüksel (Team Oberhausen) stellte fest, die Filme berührten ganz unterschiedliche Lebensbereiche des alltäglichen Lebens und sorgten dadurch für Gesprächsstoff.

Die Vorsitzende bat die Anwesenden, Werbung für den Besuch der Filme zu machen, weil die dort aufgegriffene Thematik richtig und „auch gesellschaftlich für uns alle eine Bereicherung“ sei.

Die Informationen werden – auf Nachfrage von Herrn Basoglu (Gerechte) – den Ausschußmitgliedern noch per Mail zugesandt, um sie einfacher weitergeben zu können.

Vielfalt ist meine Heimat

Geschäftsführer Telli gab bekannt, daß der Stadtverordnete Hoff (FDP) seine Masterarbeit über das „Oberhausener Demokratieprojekt ‚Vielfalt ist meine Heimat‘“ schreibt.

Herr Hoff erläutert zunächst, wie er zu dem Thema gekommen sei und berichtet von seinen persönlichen Motiven, in seinem Alter noch einmal ein Studium der Kommunikationswissenschaften zu absolvieren. Das Projekt selbst weise eine Besonderheit auf. Es sei, nach den Worten seines Urhebers Ercan Telli, kein Integrationsprojekt, denn Integration heiße oft, Menschen irgendwo hineinzupressen, zu integrieren, um eine Einheit herzustellen.

Dieses Projekt gehe vom Grundsatz aus, daß jeder in irgendeiner Form anders sei; der Begriff der Vielfalt betone das noch einmal. Diese Nichtgleichheit, diese Unterschiede, die „wir alle“ haben seien in diesem Projekt kein Hindernis. Eher das Gegenteil sei der Fall.

Diese Unterschiede von jedem Einzelnen bereicherten das gesamte Projekt und der Adler als Symbol der Kampagne stehe für die eine Sache, zu der sich alle bekennen. Das ist die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Es sei kein Integrationsprojekt, sondern – im Sinne Herrn Tellis – ein Demokratieprojekt, welches man „gerade“ versuche, auch in andere Städte zu tragen und damit größer zu machen. Es gebe noch keine wissenschaftliche Begleitung dazu, die man vorzeigen könne als Beleg dafür, daß das Projekt etwas bringe. Diese „Begleitung“ würde er, Herr Hoff, gerne leisten.

Die Materialgrundlage seiner Arbeit werde durch eine Umfrage geschaffen. Dazu verwies Herr Hoff auf die an jedem Sitzplatz ausgeteilten Fragebögen und bat darum, diese nach der Sitzung auszufüllen. Diese anonymen Fragebögen bildeten die Grundlage seiner Auswertung; es würde dazu noch ein anderer Personenkreis, die Unterstützer „von draußen“, befragt werden.

Er hoffe auf ein Gelingen der Arbeit und zweifele nicht am Ergebnis; nämlich daß das Projekt wirksam sei und vergrößert werden könne. Mit der – anonymen – Auswertung seien dann auch Antworten möglich auf die Frage etwa, welche Dinge das Projekt so besonders machten und wie man es auf andere Städte übertragen könne.

Die Vorsitzende rief dazu auf, das Projekt zu unterstützen und bat die Anwesenden, Herrn Hoff ihre Mail-Adressen wegen Rückfragen zur Verfügung stellen zu dürfen.

Weitere Punkte der Tagesordnung

Zu TOP 5 „Besetzung von Gremien“ äußern wir uns an einer anderen Stelle. Von den „Mitteilungen und Anfragen“, dem letzten Punkt der Tagesordnung, erwähnen wir nur den Hinweis des Beigeordneten Schmidt. Dieser machte auf den Einbürgerungsempfang am 10. Februar um 17.30 Uhr im Stadttheater aufmerksam. Gäste sind alle diejenigen, die im vorangegangenen Jahr eingebürgert werden konnten.