Der Text als pdf-Datei: 20260525_K_18_0803_Staedtische_IT-Struktur
Kleine Anfrage von Stadtverordneten und Bezirksvertretern nach § 7 der Geschäftsordnung des Rates als Nr. K/18/0803 vom 27. 4. 2026 von K. Burmeister (AfD).
Betr.: Organisation der städtischen IT- und Rechenzentrumsstrukturen.
Antwort der Stadtverwaltung vom 18. 5. 2026 als K/18/0803-01.
Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten sowie wachsender Anforderungen an die digitale Infrastruktur ist es von Interesse, wie die Stadt Oberhausen ihre IT- und Rechenzentrumsstrukturen organisiert und ob durch interkommunale Zusammenarbeit wirtschaftliche Vorteile erzielt werden können.
Vor diesem Hintergrund bitten wir um die Beantwortung der folgenden Fragen:
Frage 1:
Welche IT- und Rechenzentrumsstruktur nutzt die Stadt Oberhausen derzeit (Eigenbetrieb, externe Dienstleister, kommunale Verbünde)?
Antwort:
Die Fachverfahren der Stadtverwaltung Oberhausen werden in Form des Ansatzes der adaptiven IT erbracht. Hierbei werden je nach Einordnung der Fachverfahren unterschiedliche Betriebsmodelle gewählt. Dies ist bereits in der IT-Strategie der Stadt Oberhausen mit Stand 01/2025 festgelegt worden, hierzu finden Sie im Folgenden den Auszug aus der IT-Stretegie:
„Welche Partner nutzen wir?
Für jeden IT-Service das richtige Zuhause mit adaptiver IT
Grundlegend für die Arbeit des Bereichs [IT] ist ein Sourcingmodell. Es basiert auf der Annahme, daß unterschiedliche IT-Leistungen unterschiedliche Methoden der Herstellung und der Leistungserbringung benötigen. Zur Klassifizierung werden die Dimensionen Chance und Risiko durch IT-Einsatz genutzt. Um Chancen durch den IT-Einsatz zu nutzen, werden meist schnelle Entwicklungszyklen, die Aufnahme von Nutzerfeedback und die schnelle Bereitstellung geänderter Anwendungen in den Betrieb im Vordergrund stehen. Bei geringeren Chancen durch den Einsatz von IT werden eher standardisierte Commodity-Leistungen, die am Markt verfügbar sind, eingesetzt.
Je höher das Risiko durch den Einsatz von IT ist, desto höher ist der Bedarf an Stabilität, den die IT-Leistungen benötigen. Während bei niedrigen Risiken eher flexible Modelle zur Leistungserbringung und Absicherung des Betriebes gewählt werden können, ist es bei erhöhtem Risiko wichtig, stabile Leistungen zu erbringen und die Risiken durch z.B. entsprechend langfristige Releasezyklen und hohe Service-Level-Agreements abzusichern.
Hieraus ergeben sich drei wesentliche Grundformen für die IT-Leistungserbringung und die damit einhergehenden Sourcingmodelle:
-
Marktdifferenzierende IT,
-
fachseitige IT und
- geschäftskritische IT.

Die marktdifferenzierende IT beschreibt Bereiche, in denen die IT große Chancen bietet. Dabei wird zwischen Leistungen mit niedrigerem und Leistungen mit höherem Risiko durch die IT unterschieden: Für Leistungen mit niedrigem Risiko sollen neue Digitalisierungslösungen geschaffen und insbesondere die Möglichkeit, Software als Early Adopter zu adaptieren, genutzt werden. Außerdem sollen neue Partnerschaften aufgebaut und lokale Dienste ausgeprägt werden. Für Leistungen mit hohem Risiko und einem dadurch größeren Bedarf an Stabilität sollen hingegen Diensteanbieter im kommunalen Verbund genutzt werden. Ein Schwerpunkt liegt hier auf der Skalierung erfolgreicher Lösungen.
Die fachseitige IT dient der Befähigung der verschiedenen Fachbereiche. Dabei werden vor allem SaaS-Angebote genutzt. Der lokale Betrieb soll hingegen nur stattfinden, wenn dazu eine technische Notwendigkeit besteht.
Die geschäftskritische IT fokussiert sich zuletzt auf Leistungen mit niedrigen Chancen und einem hohen Bedarf an Stabilität auf die Absicherung von Prozessen. Für sie findet ein Sourcing im Standardverfahren im kommunalen Bund statt.
Aus dem adaptiven IT-Modell ergeben sich unterschiedliche (beispielsweise agile) Vorgehensweisen für den Bereich IT. Schon jetzt entsprechen ungefähr 70-80% des Applikationsportfolios dem Sourcingmodell. Perspektivisch soll dieser Anteil aber noch weiter ausgebaut werden. Die Mitgliedschaft im KDN und die Beteiligung an der RegioIT sowie die Gesellschafterrolle bei dNRW sind wichtige Werkzeuge zur Umsetzung und Stärkung der interkommunalen Zusammenarbeit in der Erbringung der IT-Leistungen. Die weitere Verdichtung der kommunalen IT-Dienstleister wird helfen, die Grenzen im kommunalen Verbund abzubauen und ein professionelles Leistungsangebot zu schaffen.“ (IT-Strategie Stadt Oberhausen, Kapitel 6.4)
Frage 2:
Welche jährlichen Gesamtkosten entstehen der Stadt Oberhausen im Bereich IT- und Rechenzentrumsleistungen?
Antwort:
Die Kosten für die Rechenzentrumsbasisinfrastrukturen schwanken zwischen den Jahren stärker, da unterschiedliche Reinvestitionszyklen der verschiedenen Bauteile berücksichtigt werden müssen. Über die letzten vier Jahre läßt sich ein durchschnittlicher Kostensatz von ca. 1.200.000 € ermitteln. Dieser schwankt um bis zu 400.000 € nach oben sowie nach unten.
Frage 3:
In welchem Umfang nutzt die Stadt Oberhausen derzeit interkommunale oder externe Rechenzentrumsstrukturen und mit welchen Partnern?
Antwort:
interkommunale und externe Rechenzentrumsstrukturen gehören, wie im obigen Auszug aus der IT-Strategie beschrieben, zum festen Bestandteil der Leistungserbringung im Bereich der IT. Insbesondere die Zusammenarbeit im KDN Dachverband ist hierbei fester Bestandteil der interkommunalen Zusammenarbeit. Insgesamt werden nur bis zu 70% der Rechenzentrumsleistung im kommunalen Verbund erbracht.
Frage 4:
Ist es rechtlich zulässig, daß die Stadt Oberhausen gemeinsam mit anderen Kommunen ein Rechenzentrum betreibt oder bestehende Strukturen gemeinsam nutzt, um Kosten zu senken?
Antwort:
Ja, insbesondere die Strukturen des KDN Dachverbandes ermöglichen eine interkommunale Zusammenarbeit und bilden bereits heute das Rückgrat der IT-Leistungserbringung in der Stadtverwaltung Oberhausen.
Frage 5:
Plant oder prüft die Verwaltung eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit im Bereich IT bzw. Rechenzentren?
Antwort:
Da die interkommunale Zusammenarbeit bereits heute fester Bestandteil der IT- Leistungserbringung ist und in der IT-Strategie fest eingeplant ist, bringt die Stadt Oberhausen sich sehr stark in die Verbandsarbeit im KDN ein und konnte mit Initiativen zur interkommunalen Zusammenarbeit in den Bereichen KI und Urbane Datenplattformen aus dem Kontext der Modellprojekte Smart Cities heraus wichtige Impulse setzen. Diese wurden zuletzt durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Digitalisierung NRW mit dem Landespreis für innovative, interkommunale Zusammenarbeit ausgezeichnet.