Was macht man, wenn die AfD vernünftige Anträge stellt? Man zerredet sie. Eine Ausnahme machte der Stadtverordnete Bandel (CDU), der Verteidiger des Sickerpflasters.

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Die TTE-Bauweise

Der AfD-Antrag auf Prüfung zur großflächigen Einführung der sog. TTE-Bauweise (A/18/0804) greift ein aktuelles Thema auf. Es handelt sich dabei um wiederverwertete Kunststoffe, die der versickerungsfähigen Befestigung von Verkehrsflächen dienen. Die grundlegenden Eigenschaften sind im Sachverhalt des Antrages dargelegt (zum Antrag siehe Anlage 1).

Im ersten Teil seiner Antragsbegründung ging Herr Kempkes (AfD) auf die teilweise grotesken Verrenkungen bei der Vorberatung des Antrages ein; allesamt mit dem Ziel, eine inhaltliche Auseinandersetzung zu vermeiden. Danach griff er einzelne Punkte aus der schriftlichen Antragsbegründung heraus und nannte die Behandlung des Antrages in den Vorberatungen „politische Lagerbildung“ als Ersatz für praktische Lösungen für die Stadtentwicklung (zur Rede siehe Anlage 2).

Danach begründete Herr Bandel (CDU) die Ablehnung des Antrages durch seine Fraktion. Nach einer „geringen“ Überziehung der Redezeit stellte der Oberbürgermeister dem Redner das Mikrophon ab. Wir versuchen eine Zusammenfassung der Hauptargumente, die eine eingehende Beschäftigung mit der Thematik und eine beruflich bedingte tiefere Kenntnis verraten (zur Rede siehe Anlage 3).

Herr Kempkes (AfD) bedankte sich für den „aufschlußreichen Vortrag, der uns auch ein bißchen die Vorzüge, Stärken und Schwächen dieses Materials näher gebracht hat.“ Zwei Punkte habe der Vertreter der CDU nicht genügend beachtet:

Erstens gehe es um eine großflächige und nicht nur um eine stellenweise Anwendung. Und zweitens handele es sich um einen Prüfauftrag. Dabei könne Herr Bandel sein Fachwissen der Verwaltung zur Verfügung stellen. Auch stehe man einem etwaigen Änderungsantrag aufgeschlossen gegenüber.

Weitere Wortmeldungen gab es nicht.

Der Rat lehnte den Antrag gegen die Stimmen der AfD ab.



Anlage 1:

Antragsvorlage A/18/0804

Antrag der AfD-Ratsfraktion nach § 2 der Geschäftsordnung für den Rat der Stadt Oberhausen: Prüfung zur großflächigen Einführung der sog. TTE-Bauweise

Beratungsfolge

06.05.2026 Stadtplanungs- und Umweltausschuß Vorberatung

11.05.2026 Haupt- und Finanzausschuß Vorberatung

18.05.2026 Rat der Stadt Beschlußfassung

Beschlußvorschlag

Der Rat der Stadt Oberhausen beauftragt die Verwaltung, die großflächige Anwendung der sog. TTE-Bauweise als tragfähige, versickerungsfähige Bodenbefestigung zu prüfen.

Sachverhalt

Die TTE-Bauweise als ein bewährtes Konzept zur ökologischen Flächenbefestigung erschließt sich immer mehr Anwendungsbereiche. Es handelt sich dabei um die versickerungsfähige Befestigung von Verkehrsflächen; ob als Pflasterung oder Schotterflächen. Auch bei der Gestaltung von Grünflächen kann das System zur Anwendung gelangen.

Das Basismaterial besteht zu 100% aus einem Recyclingprodukt aus Altkunststoff und bildet somit einen in sich geschlossenen Materialkreislauf ab.

Nach Darstellungen von Fachfirmen liegt die Versickerungsleistung um das Hundert- bis Tausendfache über der Leistung von üblichen Sickerpflastern; ein sehr wichtiger Aspekt bei Starkregen.

Da das System durch seine Lastverteilung deutlich geringere Eingriffe in den Boden erfordert (Aushub von ca. 15–20 cm statt 50 cm), besteht die begründete Aussicht auf erhebliche Einsparungen bei den Tiefbau- und Entsorgungskosten. Das Potential für Kosteneinsparungen wäre in die Prüfung einzubeziehen.

Weiter käme die Prüfung von Fördermöglichkeiten im Rahmen der „Zukunftsinitiative Klima.Werk“ der Emschergenossenschaft in Betracht.

Ein ständiges Problem bei herkömmlicher Flächenversiegelung sind Stolperkanten durch Wurzelaufbrüche beispielsweise durch Bestandsbäume. Bestandteil der TTE-Bauweise sind verschiedene Konzepte für („schwimmende“) Wurzelbrücken als Lösung für den chronischen Konflikt zwischen Baumerhalt und verkehrssicheren Gehwegen.

Einschlägige Fachfirmen weisen zahlreiche Referenzprojekte aus den verschiedensten Anwendungsbereichen im öffentlichen Raum aus. Damit ergibt sich die Perspektive, den allgemeinen Prüfauftrag bei Bedarf mit speziellen Projekten praktisch zu begleiten.



Anlage 2:

Rede des Stadtverordneten Kempkes (AfD) zu Punkt 27.6 der Tagesordnung „Antrag der AfD-Ratsfraktion nach § 2 der Geschäftsordnung für den Rat der Stadt Oberhausen: Prüfung zur großflächigen Einführung der sog. TTE-Bauweise (A/18/0804).“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren!

Selten war die Doppelmoral der Altparteien in dieser Stadt so offensichtlich wie bei diesem Thema. Wenn CDU, SPD und Grüne Pressemitteilungen schreiben, klingt es oft nach Klimaresilienz, Schwammstadt und Baumschutz.

Aber sobald ein konkreter Antrag auf dem Tisch liegt, passiert das Gegenteil. Besonders entlarvend war der Vorgang in der Bezirksvertretung Sterkrade. Dort wurde unser Antrag zum TTE-System direkt am Anfang der Sitzung von der Tagesordnung genommen.

Man wollte erst gar nicht darüber reden. Man hat die Debatte im Keim erstickt. Und jetzt kommt die Krönung. Nur wenig später, als es um das neue Baumschutzkonzept auch in dieser Sitzung ging, haben alle Parteien das TTE-Pflaster in den höchsten Tönen nur gelobt.

Merken Sie eigentlich noch, was Sie da tun? Zuerst wählen Sie unseren Antrag von der Tagesordnung, um eine politische Entscheidung zu verhindern. Und eine halbe Stunde später loben Sie genau diese Technik über den grünen Klee. Das ist politisches Schmierentheater. Sie loben die Lösung, aber blockieren den, der sie beantragt. Ich frage Sie, was ist Ihr Lob wert, wenn Sie sich weigern, Taten folgen zu lassen?

Dabei wissen wir alle, daß das klassische Sicker-Pflaster an seine Grenzen stürzt. Es braucht einen größeren Unterbau. Die Fugen verschlammen mit der Zeit. Und am Ende ist der Boden doch wieder versiegelt.

Wir fordern heute, das TTE-System als neuen Standard in Oberhausen festzulegen. Es ist die logische Konsequenz für eine echte Schwammstadt. Nur 15 bis 20 Zentimeter Aushub schützen unsere Altbaumstände. Es spart Entsorgungs- und Baukosten. Es funktioniert dauerhaft, auch wo Sicker-Pflaster längst kapituliert hat.

Aber was machen CDU, SPD und Grüne? Sie verhindern die Festlegung als Standard. Im Ausschuß halten Sie Sonntagsreden über Hitzevorsorge. Aber wenn es konkret wird, räumen Sie die Anträge lieber von der Tagesordnung, bevor Sie überhaupt das erste Wort zur Sache sagen möchten. Das zeigt den Bürgern ganz deutlich, ihnen geht es nicht um Stadtentwicklung. Ihnen geht es um politische Lagerbildung. Denn wenn eine gute Innovation von einer falschen Seite kommt, blockieren sie lieber den Fortschritt, als über ihren Schatten zu springen.

Wir als AfD haben den Mut, moderne Lösungen als Standard einzufordern. Wir sind technologieoffen und praxisnah. Hören Sie auf, gute Technik nur unverbindlich zu loben, während Sie die Umsetzung sabotieren. Haben Sie den Mut zur Sachpolitik und machen wir TTE endlich zum Standard für Oberhausen. Danke schön!



Anlage 3:

Zusammenfassung der Rede des Stadtverordneten Bandel (CDU) zu Punkt 27.6 der Tagesordnung „Antrag der AfD-Ratsfraktion nach § 2 der Geschäftsordnung für den Rat der Stadt Oberhausen: Prüfung zur großflächigen Einführung der sog. TTE-Bauweise (A/18/0804).“

TTE-Platten („die TTE-Bauweise“ im Antrag) sind nichts anderes als die seit Jahrzehnten bekannte Kunststoffrasennabe; überarbeitet und optimiert.

Das gleiche Prinzip: Kunststoff nimmt die Last auf, verteilt und verkettet.

Wasseraufnahme laut Hersteller 328.000 Liter Wasser pro Sekunde mal Hektar, ermittelt von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Bayern.

„Aufnehmen“ heißt immer, bis zu dem Punkt, wo der erste ganz feine Wasserfilm entsteht. Bei einer Plattenstärke von 62 mm ergibt sich bei der Versiegelung von einem Hektar 620 Kubikmeter Volumen auf einen Hektar.

Bei einem Porenvolumen von knapp über 50% ergibt sich ein Fassungsvermögen von 328 Kubikmeter Wasser rein.

Das Füllmaterial für die einzelnen Kammern der TTE-Platten (z. B. mit Hackschnitzeln, Mutterboden und Rasen, Pflastersteinen für Geh- und Fahrwege) hat unmittelbar Einfluß auf das berechnete Fassungsvermögen und kann dieses maßgeblich verringern:

Also die Legende von den 328.000 Liter pro Sekunde mal Hektar ist schon mal abgearbeitet.

Kritiklos zitiert im Antrag: „durch seine Lastverteilung braucht es deutlich weniger Unterbau“; also vermeintlich eine mehr oder weniger große Kostenersparnis.

Problem: Selbst wenn der Kunststoffträger Druckproben von bis zu oder sogar über 40 Tonnen standhält, heißt das noch lange nicht, daß eine damit gestaltete Verkehrsfläche dieser Belastung gewachsen ist. Statische Belastungen im Labor und oder dynamische Kräfte im Verkehr sind etwas völlig anderes.

Das Material ist auf öffentlich befahrbaren Flächen nicht zugelassen. Es bleibt die Verwendung für Gehwege, private Fahrwege, Stellflächen.

Der Grund muß so beschaffen sein, daß er nicht nur die Last, das ist seine Hauptausgabe, sondern auch die Regenspende sicher aufnimmt, zwischenspeichert und oder ableitet.

Fazit: Die TTE-Bauweise ist im Gegensatz zum Herstellerprospekt anderen versickerungsfähigen Oberflächen eben nicht und schon gar nicht weit überlegen.

Materialkreislauf: Bei der Verwendung von Kunststoffen ist nicht die Verwendung, sondern die Trennung der unfaßbar vielen Arten und Verbünde das Problem.

Verwendung von Kunststoffen sehr mannigfaltig (Zäune und Terrassen in Gärten, Bänke, Fallschutz, Palisaden an Kinderspielflächen); jedoch: Im Verkehr haben wir ganz andere Voraussetzungen und Belastungen bzw. hoch abrasive Kräfte.

Resümee: Vieles spricht für, vieles gegen TTE. Die CDU wird kein Produkt eines bestimmten Herstellers beschließen, da es genügend gleichwertige Alternativen am Markt gibt.